Europäischer Tag der pflegenden Angehörigen

Veröffentlicht am 6. Oktober 2026 um 08:00

Pflegende Angehörige brauchen Anerkennung – und konkrete Unterstützung

Am 6. Oktober wird der Europäische Tag der pflegenden Angehörigen begangen. Er macht sichtbar, was im Alltag oft selbstverständlich erscheint: Viele Menschen unterstützen nahestehende Personen über lange Zeit – bei der Körperpflege, im Haushalt, bei Terminen, bei Medikamenten oder einfach durch ihre ständige Verfügbarkeit.

In der Schweiz ist die Bedeutung dieser Unterstützung besonders relevant. Das Bundesamt für Gesundheit beschreibt betreuende Angehörige als Menschen unterschiedlichen Alters, die für ein unterstützungsbedürftiges Familienmitglied Betreuungs- oder Pflegeaufgaben übernehmen. Eine Studie im Auftrag des BAG schätzte für 2018 rund 592'000 betreuende Angehörige (BAG, 2026).

Diese Menschen sind keine „Hilfspersonen“ im Hintergrund. Sie verfügen über Wissen über den Alltag und die Bedürfnisse der betreuten Person und übernehmen häufig Verantwortung, die anspruchsvoll und belastend sein kann.

Gute professionelle Pflege sollte Angehörige deshalb weder überfordern noch aus der Versorgung ausschliessen. Entscheidend ist eine klare Zusammenarbeit: Wer übernimmt welche Aufgabe? Welche Informationen werden benötigt? Wo liegen Grenzen? Und wo gibt es Entlastungsangebote?

Auch für die Berufsbildung ist das Thema wichtig. Pflegefachpersonen müssen lernen, Angehörige als Teil des Versorgungssystems wahrzunehmen und gleichzeitig ihre eigenen professionellen Rollen zu kennen. Kommunikation und Beratung sind deshalb zentrale Kompetenzen.

Angehörigenpflege kann ausserdem Auswirkungen auf Erwerbsarbeit, finanzielle Sicherheit und die eigene Gesundheit haben. Unterstützung muss daher nicht erst beginnen, wenn eine Person erschöpft ist. Beratung, Schulung und Entlastung sollten möglichst früh zugänglich sein.

Der Europäische Tag der pflegenden Angehörigen ist deshalb ein guter Anlass, Danke zu sagen – aber nicht bei Worten stehen zu bleiben.

Wer Angehörige wirklich stärken möchte, braucht zugängliche Informationen, flexible Entlastungsangebote, Beratung und eine gute Zusammenarbeit mit professionellen Diensten.

Pflege ist eine gemeinsame Aufgabe. Sie gelingt am besten, wenn niemand das Gefühl haben muss, sie allein bewältigen zu müssen.

 

Literatur 

  • Bundesamt für Gesundheit. (2026). Betreuende und pflegende Angehörige. https://www.bag.admin.ch/de/betreuende-und-pflegende-angehoerige
  • European Carers Day. (2026). European Carers Day. https://www.carersday.eu/

 

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